Über die Geschichte der Friedhöfe und die Bestattungskultur in und um Bernau ...

   Von der Geschichte der Stadt Bernau bei Berlin kann man in den Chroniken von Wernicke und Koch sehr viel erfahren. Die historischen Gräber dieser Bürger befinden sich auf dem Alten Friedhof in der Mühlenstraße.

   Die Verwaltung der Friedhöfe in der Stadt Bernau war seit der Stadtgründung in kirchlicher Hand. Der erste Friedhof innerhalb der Stadtmauer befand sich um die St. Marien Kirche herum. Auch innerhalb dieser Kirche wurden Gräber bei Bauarbeiten gefunden.

   Alte Grabsteine und Grabplatten bezeugen eine lebhafte Bestattungskultur. Mit dem Ausbruch der Pest Ende des 16. Jahrhunderts stellte der Magistrat der Stadt eine Fläche außerhalb der Stadtmauer in den Wallanlagen zur Verfügung um die vielen Toten zu bestatten.

   Ende des 19. Jahrhunderts erwarb die evangelische Kirchengemeinde zur Erhöhung der Bestattungskapazität Ackerflächen ab der Chaussee nach Eberswalde zur Einrichtung eines größeren Friedhofes. Ab 1993 übernahm die Friedhofsverwaltung in Bernau nach und nach die Friedhöfe der Kirchengemeinden Ladeburg, Schönow und Börnicke.

   Eine kleine Sensation für die Stadtgeschichte stellt auch das Ergebnis der archäologischen Begleitung des Neubaus der Friedhofsverwaltung dar. Hier fanden die Archäologen 39 Befunde, darunter 25 Bestattungen aus der Spätbronzezeit / Früheisenzeit.

   Es handelt sich um Urnenbegräbnisse, teils mit Beigefäßen, und Brandschüttungsgräber, teilweise mit Grabbeigaben. Keramikfunde, Bronzering, Reste eines Rasiermessers, ein zu 2/3 erhaltenes Miniaturgefäß und ein tordierter Halsreif mit Haken nordischen Typs lassen aufhorchen.

 Und das alles 1000 bis 800 vor Christus. Die Beisetzungsplätze nur zwei Meter von einander entfernt – hier kann man von Bestattungsdichte sprechen, vielleicht schon von Bestattungskultur. Die Siedlung an der Panke könnte also älter als das Römische Reich und von Handelsreisenden aus verschiedenen Gebieten und Kulturen durchquert worden sein.

   Mit der Christianisierung und den Städtegründungen wurden die Bestattungsplätze um die Kapellen und Kirchen gelegt. So auch in Bernau: 1140 die Stadtgründung der Sage nach und 1292 die erste urkundliche Erwähnung als Propstei, 1328 Gründung des Georgenhospital mit späterer Georgenkapelle, Feldsteinkirchenbauten in Börnicke, Ladeburg und Schönow lassen auf eine lebhafte Entwicklung zu einem kleinen geistlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum zurück sehen.

   1598 konnten auf dem Friedhof um die Kirche wegen der vielen Pesttoten keine neuen Gräber vergeben werden. Es musste wohl in kurzer Zeit eine Lösung herbei. So wurden außerhalb der Stadtmauer in den Wallanlagen Begräbnisplätze geschaffen die man der Bevölkerung vorhalten konnte. Es entstand ein „Pestfriedhof“ der aber den Namen des Erstbeigesetzten, des Müllers Peter Hesse, tragen sollte und man ihn Petersfriedhof nannte. In dieser Zeit bis 1638 wütete der Schwarze Tod in Bernau und der Friedhof füllte sich wohl sehr rasch.

   Trotz dessen wurden aber Bürger noch um die Kirche herum oder in der Kirche beigesetzt. Grabsteine, Grabplatten und Bilder in und an der heutigen Stankt Marienkirche von Tobias Sailer und weitere Bernauer Honoratioren sind Zeugnisse der einstigen Bestattungskultur.

   Das älteste Grab, welches bis heute genutzt wird (!), geht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Der Apothekerfamilie Böhme, die treu an ihrem Berufsstand festhält, dient es als Familiengrab.

   Auch Familiengrabstätten von Familien der Hugenotten, französische Glaubensflüchtlinge die in Preußen um 1699 angesiedelt wurden, werden ebenfalls genutzt. Auch die Grabanlage des letzten Probstes, Jacob Friedrich Hoppe, gestorben am 22. März 1833, befindet sich mit weiteren denkmalgeschützten Grabstellen auf diesem Friedhof.

   Steigende Einwohnerzahlen führten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Aufstockung der Bestattungsplätze in Bernau. So wurde 1881 der Neue Friedhof an der Jahnstraße mit seiner Friedhofskapelle eingeweiht. Dieser Friedhof ist am Reisbrett entstanden und in Abteilungen, Grabreihen und Grablagen geplant und angelegt. Unter Denkmalschutz stehende Zeugnisse der Bestattungskultur jener Zeit, leider sind diese noch nicht wieder hergerichtet, befinden sich auf diesem Friedhof. Die Hauptwege wurden damals schon befestigt und mit Linden, Birken und Tannen als Alleen gestaltet.

   Hiermit schließt sich der Kreis der Bestattungskultur in unserer Stadt: Dieser Südhang des Neuen Friedhofes ist der Bestattungsplatz der Menschen, die schon vor 3000 Jahren hier lebten. Historischer Boden und wohl ein guter Bestattungsplatz, wie die Geschichte lehrt.


Friedhofsverwaltung der evangelischen Kirchengemeinde Sankt Marien Bernau

Telefon:  03338 5662

Email: info@fv-bernau.de

Adresse: Neuer Friedhof, Jahnstraße

16321 Bernau bei Berlin

 
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